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Katz


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Über mich:
Katz - so heiße ich auch bei dooyoo - also nicht wundern, wenn die eine oder andere Rezension vielleicht bekannt erscheint. Ich lese viel und \"querbeet\" - gerade die Raritäten haben es mir angetan. Ich nehme auch antiquarisches oder Bücher mit persönlichen Anmerkungen....die mag ich sogar besonders :-)

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20.03.2012
hallo katz, schicken Sie die Memoiren des Grafen noch oder haben Sie es nicht mehr? Lieben Dank für eine Info, bookashade
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Inhaltsangaben

Geschichte Zweier Städte
Geschichte Zweier Städte
Wenn ich also an Romanzitate denke fällt mir prompt der Anfang von "Die Geschichte zweier Städte" ein: "Es war die beste und die schönste Zeit, ein Jahrhundert der Weisheit und des Unsinns, eine Epoche des Glaubens und des Unglaubens, eine Periode des Lichts und der Finsternis. Es war der Frühling der Hoffnung und der Winter des Verzweifelns. Wir hatten alles, wir hatten nichts vor uns, wir steuerten alle unmittelbar dem Himmel und auch alle unmittelbar in die entgegengesetzte Richtung -- mit einem Wort, die Periode glich der unsrigen in gar keiner Weise." Für mich ist dieser Absatz der schönste Roman-Anfang den ich kenne. Der Anfang von "The tale of two cities" hat mich gleich beim ersten Hören irgendwie berührt. Es schwingt so viel Hoffnung, soviel Angst, Wut, Sehnsucht, aber auch Humor in diesem Absatz mit, dass ich ohne zu wissen von wem es war unbedingt lesen wollte. Kaum war das Buch da habe ich mich gleich darin vergraben und konnte nicht mehr aufhören zu lesen. So liebenswerte Charaktere, so hassenswerte Persönlichkeiten, bedauernswerte gestrauchelte Menschlein, traurige Überreste eines hoffnungsvollen Lebens, strahlende engelsgleiche Wesen. Die Geschichte zweier Städte ist natürlich die Geschichte ihrer Menschen und Dickens hat wie kaum ein anderer die Gabe besessen unvergleichliche Figuren zu schaffen, die dem Leser ans Herz wachsen. Wer kennt nicht den Geizkragen Ebenezor Scrooge oder den alten Fagin aus Oliver Twist - mit wenigen Worten skizziert er uns Persönlichkeiten, die wie gute Karikaturen wirken. Nach "Zwei Städte" habe ich mich gleich auf "Nicolas Nickelby" und "Harte Zeiten" gestürzt . °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°° Der junge französische Adlige Charles Evremonde lebt unter falschem Namen in England. Er hat sich aus gutem Grund von seiner Familie losgesagt und verdient sich seinen Unterhalt dadurch, dass er privat Französischunterricht erteilt. Doch Charles fühlt sich noch immer mit seiner Heimat und auch der Familie verbunden und so reist er regelmäßig zwischen Frankreich und England hin und her. Bei einer dieser Reisen lernt er die schöne Lucie und ihren Vater Dr. Manette kennen und erfährt von ihrem traurigen Schicksal. Dr. Manette wurde in den Nordturm der Bastille gesperrt, ohne Anklage, ohne Verhandlung und ist dort 18 Jahre lang einfach vergessen worden. Seine Familie hatte keine Ahnung wo er war und hielt ihn daher für tot. Als Dr. Manette nach seiner Entlassung in den Pariser Stadtteil Staint-Antoine zu seinem ehemaligen Diener Defarge gebracht wurde konnte er sich nicht an seinen Namen oder irgendetwas anderes aus seinem Leben erinnern. "105 Nordturm" das war der einzige Name an den er sich erinnerte, nach 18 Jahren Bastille. Defarge aber weiss noch, dass Mr. Lorry nach dem Tode von Dr. Manettes Frau seine kleine Tochter, die unter die Vormundschaft der Tellson Bank gestellt wurde, nach England gebracht hat. Er setzt sich mit dem Bankhaus in Verbindung damit Tochter und Vater wieder zusammen geführt werden. So macht sich dann Mr. Jarvis Lorry auf den Weg um mit der jungen Lucie Manette ihren Vater nach England zu holen. Auf der Rückreise von Calais nach Dover lernen sich Charles und Lucie auf der Fähre kennen. Dr. Manette geht es schlecht und Charles bietet der besorgten jungen Frau seine Hilfe an die diese dankbar annimmt. Als sich ihre Wege 4 Jahre später wieder kreuzen steht Charles Darnay (diesen Namen hat er angenommen) in der "Old Balley" wegen Hochverrates vor Gericht. Mr. Lorry, Lucie und ihr Vater sind als Zeugen gegen Charles geladen. Der armen Lucie fällt die Aussage sichtlich schwer weil sie ihm seine Hilfsbereitschaft nicht durch Zeugnis gegen ihn lohnen will. Doch es nützt nichts, sie muss aussagen und die Antworten die sie dem Ankläger schweren Herzens gibt fallen nicht sehr positiv für den Angeklagten aus. Alles scheint den Verdacht der Spionage und Verrat an der Krone zu erhärten. Die vielen Reisen zwischen Frankreich und England, die Heimlichtuerei darum und seine offen geäußerte Sympathie mit der amerikanischen Revolution (sprich George Washington) - es sah nicht gut aus für Charles. Dennoch wird er freigesprochen und zwar wegen seiner verblüffenden Ähnlichkeit mit Sydney Carlton (eine etwas zwielichte Figur und Gehilfe seines Anwaltes). Diese große Ähnlichkeit zwischen den beiden und die innere Zerrissenheit Carltons sind im späteren Verlauf der Geschichte noch von allergrößter Bedeutung. Von nun an trennen sich die Wege dieser Personen nicht mehr - viel mehr wird das Haus der Manettes in der Nähe des Soho-Square zu einem Knotenpunkt im Leben aller die mit diesem Fall in Berührung gekommen waren. Sehr zu Leidwesen von Miss Proß (Lucies Nanny) die vielen Besucher, die ihres Täubchens nicht würdig sind, regen sie sehr auf und am liebsten würde sie diese Menschen ganz von ihrem Schützling fernhalten. Aber auch sie kann es nicht verhindern, dass die Zuneigung zwischen Charles und Lucie sich immer weiter vertieft und die beiden heiraten. Alles scheint in bester Ordnung zu sein, wenn da nicht die Rückfälle Dr. Manettes in sein altes Leiden wären auch die wachsende Unruhe in Paris ist für die Harmonie der kleinen Familie nicht förderlich. So führen die Lebensfäden dieser Menschen unvermeidlich zu einem Knoten im August 1792 wo Charles Darnay wegen des Hilferufs eines treuen Bediensteten seiner Familie nach Frankreich eilt um diesen vor dem Gericht der französischen Revolution zu verteidigen. Auch Mr. Lorry musste sich auf den Weg nach Paris machen um dort die Interessen seiner Bank zu vertreten und so finden sich bald alle Freunde der Manettes in der 1792 unruhigsten Stadt Europas wieder um Charles beizustehen. Es ist keine gute Zeit in Paris für einen emigrierten Adligen und die Guillotine hatte gerade erst mit ihrer blutigen Arbeit begonnen.... °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°° Über das Geheimnis im Nordturm 105, die traurige Verbindung zwischen den Personen der Geschichte, die darin verborgen liegt und allem was daraus erwächst schreibe ich jetzt nichts. Hier höre ich auf, sonst bleibt für Euch nichts mehr zum Lesen übrig und lesen sollte man das wirklich. Schon allein wegen der liebenswerten Persönlichkeiten die Dickens erschaffen hat. So viele von ihnen habe ich nicht einmal erwähnt. Dickens schaffte es jeder seiner Figuren Tiefe und Bedeutung zu geben, keines seiner Geschöpfe streift eine Geschichte ohne Grund, so was wie Nebenhandlungen gibt es im Grunde nicht weil alles miteinander verwoben ist. Am Ende hat man selbst für den anfangs als üblen Charakter dargestellten Leichenräuber Jerry Chruncher so was wie Sympathie übrig und möchte ihm sein frevelhaftes Tun am liebsten verzeihen. Auch der zu Beginn nur auf seine Pflicht fixierte Jarvis Lorry: "Miß Manette, ich bin Geschäftsmann und als solcher beauftragt, ein Geschäft auszurichten. Diesem meinem Auftrag gegenüber braucht Ihr mich nicht anders zu betrachten, als ob ich eine sprechende Maschine sei - in der Tat, ich bin auch kaum etwas anderes.." selbst dieser Mr. Lorry ist am Ende des Buches ein liebenswerter Freund den man gerne wieder besucht in dem man "Two Cities" öfter mal aufschlägt um einfach hier und da wieder rein zu lesen. Ich finde diese Tatsache umso erstaunlicher wegen der Art wie BOZs - so lautete Dickens s Pseudonym - Werke erschienen. Seine Bücher wurden nicht wie zu der Zeit üblich als 2 - 3 teilige Romane veröffentlicht sondern in Magazinen die monatlich oder wöchentlich erschienen. "A Tale of Two Cities" erschien wöchentlich von April bis November 1859 im Familienmagazin "All the Year Round". Mit dieser Art der Veröffentlichung erreichte er ein sehr breites Publikum machte sich aber bei seinen Schriftstellerkollegen unbeliebt. Sie sagten, dass diese Art der Fließbandliteratur dem schöpferischen Kunstakt zuwider laufen würde und dem entsprechend nichts wertvolles daraus entstehen könne. Nun gibt es bestimmt anspruchsvollere Literatur, aber Dickens hat weithin sichtbare Spuren hinterlassen. "Dickensian" sagen die Engländer wenn sie die heile Biedermeierwelt meinen - fein eingeteilt in Familienidyll und böse Menschen (in Form von Wucherern, Geizhälsen, Trinker usw.). Dickens hat das Idealbild vom Weihnachtsfest nicht nur in England stark geprägt und ein Weihnachten ohne "A Christmas Carol" ist kaum vorstellbar. "Die Geschichte zweier Städte" ist, nach "Barnaby Rudge" der zweite (und letzte) historische Roman den Dickens geschrieben hat. Er stellt auch hier wieder die einzelnen menschlichen Schicksale vor das geschichtliche Ereignis und kommentiert die Geschehnisse meistens aus der Erzählerperspektive, manchmal deutet er nur leicht an und dann schickt er den Leser plötzlich mitten ins Getümmel beim Sturm auf die Bastille. Eine Zeittafel (oder genauere Kenntnisse der Geschichte als ich sie habe) ist sehr hilfreich für das Verständnis - aber nicht zwingend erforderlich. Dickens konzentriert sich auf die gequälte Figur, die aufbegehrt, die sich wehrt und ihre eigene Situation verbessern will. So wie man es aus "Oliver Twist" kennt. Die politischen Hintergründe, all das was sich im Hintergrund abspielt und der eigentliche Auslöser für die Geschehnisse ist wird nur leicht angedeutet. Ich kann Charles Dickens wirklich jedem wärmstens empfehlen. Mich hat "Die Geschichte zweier Städte" sehr berührt und zum Nachdenken, auch Nachforschen, angeregt. Es ist spannend, voll von sprachlicher Schönheit und menschlicher Wärme und zeigt, wie es der erste Absatz ankündigt, auch das genaue Gegenteil. Beeindruckend - das ist wohl der richtige Ausdruck dafür - beeindruckend und sehr zu empfehlen. Wer mehr wissen möchte, dem empfehle ich diese Seiten: http://www.online-literature.com/dickens/twocities/ (da gibt es auch den englischen Originaltext) Weitere verwendete Quellen: "Charles Dickens in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten" von Johann N. Schmidt (Rowohlt 1978) http://www.perryweb.com/Dickens/work_tale2c.shtml http://www.studiendienst.de/wissen/gesch_franzrev.html
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